Funktionsmapping kompakt

Antworten
Benutzeravatar
Boris160
Site Admin
Site Admin
Reactions:
Beiträge: 178
Registriert: Montag 19. Juni 2017, 00:09
Steuerung: Intellibox II
Meine Spur: N
Gleise: Kato, Minitrix
Steuerungsformat: DCC
Austria

Funktionsmapping kompakt

#1

Beitrag von Boris160 » Montag 26. Juni 2017, 16:54

Liebe Modellbahn-Kolleginnen und Kollegen!

Stell Dir vor, es gibt Standards und es hält sich niemand dran. So oder so ähnlich könnte man das Problem des Funktionsmappings charakterisieren. Fast jeder Hersteller von Decodern kocht sein eigenes Süppchen und kommt irgendwann an die Grenzen der Standards, weil sein Decoder halt mehr und umfangreichere Funktionen bieten soll, als im Standard vorgesehen sind.

Daher möchte ich nach und nach Wissenswertes und Interessantes zu diesem Thema in diesem Forum und den entsprechenden Unterforen zu den einzelnen Herstellern veröffentlichen, dabei aber nicht zu sehr ins Detail gehen.

Natürlich richten sich diese Artikel primär an Neulinge bzw. Umsteiger von analog auf digital, alte Hasen werden vielleicht das Eine oder Andere sogar besser wissen und dürfen mich sehr gerne ergänzen.

Nun, worum geht es bei Funktionsmapping?

Primäre Aufgabe ist es, die verschiedensten Funktionen, die eine Lok und der verbaute Decoder bieten, Tasten des Steuergerätes zuzuordnen, damit der Betreiber des Fahrzeugs diese Funktion auch auslösen kann. Bei ab Werk digital gekauften Lokomotiven hat das meist der Hersteller bereits erledigt, aber auch hier kann schon mal Grund zur Nacharbeit bestehen: manch ein User hätte es gern, wenn bei all seinen Loks bestimmte Funktionen immer auf derselben Taste liegen und nicht, wie heute gang und gäbe, der eine Hersteller das Betriebsgeräusch auf F1 und den Rangiergang auf F4 legt, der andere Hersteller hingegen den Rangiergang auf F6 und das Betriebsgeräusch auf F8 und beim nächsten Modell liegt auf F4 das Betriebsgeräusch und der Rangiergang auf F3. :( Ich habe da bei meinen Loks Ordnung nach einem Schema reingebracht. Ein zweiter Grund, das Mapping der Hersteller zu überarbeiten, liegt darin, dass die Hersteller gewisse Funktionen, die Lok und Decoder bieten, garnicht im Funktionsmapping berücksichtigen. Dazu ein Beispiel: ich habe herausgefunden, dass Fahrzeuge besser entkuppeln (egal ob mit digitaler Kupplung, Magnet oder normalem Entkupplungsgleis), wenn die Kupplung nicht straff gespannt ist. Wie beim Vorbild Lok kurz an Zug andrücken, Kupplung aushängen und Lok abrücken - kann man natürlich per Hand auch machen - aber es gibt es bei vielen Decodern als Funktion "Kupplungswalzer", jede SoundLok von Fleischmann mit Decoder könnte es, aber bei keiner ist es aktiviert. Daher: selbst ist der Mann / die Frau und aktiviert die Funktion selbst. In einem anderen Beitrag habe ich das schon für Decoder von Doehler und Haass erklärt.

Um in solchen Beiträgen nicht immer zu genau auf das Funktionsmapping eingehen zu müssen, sollen eben die Grundlagen - natürlich nach Herstellern getrennt - einmal festgehalten werden, damit ich bei speziellen Fragen die Grundlagen schon mal vorraussetzen kann.

Wie funktioniert Funktionsmapping im allgemeinen? Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, die heute in der Praxis auch schon gemischt vorkommen:

Variante 1: jeder Funktionstaste des Steuergerätes wird im Decoder eine CV (in DCC) oder PAR (SX2) zugeordnet. Bei vielen Herstellern sieht das dann so aus:
Licht / F0 in Fahrtrichtung vorwärts ist CV 33,
Licht / F0 in Fahrtrichtung rückwärts ist CV 34,
Funktionstaste F1 ist Cv 35,
Funktionstaste F2 ist Cv 36,
.....
Funktionstaste F11 ist Cv 45 und
Funktionstaste F12 ist Cv 46.

Weiters bekommen die Funktionen Werte zugeordnet. Um auch mehrere Funktionen auf eine Taste legen zu können, bedient man sich des Digitalsystems und ordnet den verschiedenen Funktionen die Werte 1, 2, 4, 8, 16, 32, 64 und 128 zu. Grund: wann immer man zwei oder mehr dieser Zahlen addiert, man kommt immer zu einem eindeutigen Ergebnis und der Decoder erkennt, welche Funktion(en) er bei Betätigung einer Taste auslösen muss.

Dazu ein Beispiel: eine mögliche Zuordnung ist:
Licht weiß an FSt. 1 = 1
Licht weiß an FSt. 2 = 2
Licht rot an FSt. 2 = 4
Licht rot an FSt. 1 = 8
Innenbeleuchtung an Führerstand 1 = 16
Innenbeleuchtung an Führerstand 2 = 32
Abblend- / Fernlicht = 64
Rangiergang (Halbgeschwindigkeit + Anfahr- / Bremsverzögerung aus (ABV)) = 128

Modellbahner 1 möchte jetzt folgende Zuordnung:
Licht weiß an Führerstand 1 in Fahrtrichtung vorwärts auf der Taste Licht (F0)
Licht weiß an Führerstand 2 in Fahrtrichtung rückwärts auf der Taste Licht (F0)
Licht rot an Führerstand 2 auf der Taste F1
Licht rot an Führerstand 1 auf der Taste F2
Rangiergang mit Rangierlicht (an beiden Führerständen brennt das weiße Licht) auf F3.

Das Mapping sieht dann wie folgt aus: CV 33 = 1, CV 34 = 2, CV 35 = 4, CV 36 = 8, CV 37 = 131 (128 + 3). Lässt der Modellbahner jetzt die Lok einen Zug ziehen, aktiviert er die Taste Licht (F0), fährt die Lok alleine, aktiviert er zusätzlich je nach Fahrtrichtung die Taste F1 oder F2, will er rangieren aktiviert er F3.

Anmerkung: dieses Beispiel legt den Standard zugrunde, nach dem nur die Taste Licht abhängig von der Fahrtrichtung ist und es auch keine Möglichkeiten der Lichtunterdrückung gibt, daher werden die roten Rücklichter auf 2 verschiedene Tasten gelegt und separat ein- / ausgeschaltet.

Variante 2: jeder möglichen Funktion wird eine CV zugeordnet und als Wert wird jene Funktionstaste eingetragen, mit der diese Funktion aktiviert wird. Beispiel: Taste Fernlicht = CV 131, als Wert ist ein Wert von 1 - 28 erlaubt, also 1 für F1, 2 für F2, ... 28 für F28. Eine Sonderform gibt es auch, wenn 1=F1, 2=F2, 4=F3, 8=F4, 16=F5, 32=F6, 64=F7 und 128=F8 in der Anleitung zu lesen ist, kann man eine Funktion auch auf mehrere Tasten legen, allerdings ist diese Funktion dann eben auf die Tasten 1 - 8 beschränkt.

Praktiker wissen, dass die heutigen Decoder natürlich viel mehr als nur 8 Funktionen haben und auch mit mehr als 12 F-Tasten + Licht angesteuert werden können. Auch Sound kommt ja in diesem Beitrag kaum vor. Im Standard ist das aber nicht vorgesehen, weshalb sich jeder Hersteller eigene Gedanken macht, diese Beschränkungen des Standards zu umgehen. Dazu findet Ihr dann mehr in kommenden Artikeln bei den einzelnen Decoder-Herstellern.

Liebe Grüße

Boris

Antworten

Zurück zu „Fragen zur Programmierung von Decodern“