Der kleine Lötkurs Teil 1

Antworten
Benutzeravatar
Josef
Site Admin
Site Admin
Reactions:
Beiträge: 617
Registriert: Samstag 23. Juli 2016, 10:47
Steuerung: ECOS
Meine Spur: N
Gleise: Roco
Steuerungsformat: DCC
Austria

Der kleine Lötkurs Teil 1

#1

Beitrag von Josef » Freitag 16. September 2016, 18:13

Wie lötet man richtig?
Diese Frage soll dieser kleine Kurs beantworten. Er ist gedacht für Elektronik-Einsteiger, die mehr als nur Theorie wollen.

Lötverbindung freier Drähte

Mit einem ersten Beispiel geht es gleich in Praxis: Eine Leuchtdiode soll mit einem Vorwiderstand und mit einem doppeladrigen Kabel verbunden werden. Hier soll keine Lötöse, Platine oder sonstige Hilfsmittel eingesetzt werden. Folgende Arbeitsschritte sind erforderlich.

1. Kabel am Ende abisolieren (Stanlymesser/Bodenlegermesser oder Abisolierzange). Die feinen Kupferadern sollten absolut blank sein, da sie durch die Isolierung vor Sauerstoff und Feuchtigkeit geschützt waren. Nach dem abisolieren nicht unbedingt mit fettigen Fingern anfassen.

2. Die Einzeldrähtchen der Litze eng verdrillen. So verhindert man, dass einzelne Drähtchen später seitlich abstehen. Und diese können im schlimmsten Fall zu einem Kurzschluß führen.

3. Das freie Ende verzinnen. Beim Verzinnen soll die heiße Lötspitze etwa gleichzeitig mit dem Lötzinn an den Draht gebracht werden. Der Draht muss einmal richtig heiß werden, damit das Zinn gut verläuft. Eine leichte Hin- und Herbewegung hilft, das Lötzinn über die ganze freie Länge zu verteilen.

4. Anschlussdrähte der LED und des Widerstands passend kürzen und ebenfalls verzinnen. Zwar wurden die Drähte bereits bei der Herstellung verzinnt. Aber es könnte sich eine feine Oxidschicht gebildet haben. Nach dem Verzinnen ist wieder alles schön blank. Falls es sich übrigens um Uraltbauteile aus der Bastelkiste handelt, die stark oxidiert (grau) sind, sollte man die Drähte vor dem Verzinnen mit einem Messer blank kratzen.

5. Zu verbindende Drähte parallel halten und mit etwas Lötzinn heiß verbinden. Die Lötstelle muss schnell erhitzt werden, wobei etwa 2-3 mm Lötzinn (Dicke 1,5 mm) verbraucht werden soll. Sobald sich das Lötzinn richtig zwischen den Drähten verteilt hat, muss der Lötkolben schnell zurückgezogen werden. Die Lötstelle muss still gehalten werden, bis das Lötzinn erstarrt ist. Wackelt man zu früh, gibt es eine schlechte Lötstelle, die in Abschnitten erstarrt ist. Am besten man verwendet eine dritte Hand. Diese kann man bei div. Herstellern/Elektronikmärken und sogar Baumärkten kaufen.

Etwas Theorie

Löten ist die Verbindung von Metallen mit einem anderen, leichter schmelzbaren Metall. In der Hobbyelektronik verwendet man meist Lötzinn mit 60 % Zinn und 40% Blei. Diese Legierung schmilzt schon bei etwa 180 Grad. Elektronik-Lötzinn hat immer einen dünnen Kern aus Kolophonium (Harz) als Flussmittel. Das heiße Lötzinn geht eine innige Verbindung mit Metallen wie Kupfer, Messing, Silber usw. ein, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:
[ul][li]Das zu lötende Bauteil muss blank sein, darf also z.B. keine oxidierte Oberfläche haben.[/li]
[li]Das Bauteil muss an der Lötstelle heißer als die Schmelztemperatur des Lötzinns werden. Probleme bereiten sehr große Metallflächen mit guter Wärmeleitung, weil der Lötkoben sie nicht ausreichend erhitzen kann.[/li]
[li]Während des Lötvorgangs muss die Lötstelle vor Luftsauerstoff geschützt sein. Dazu dient das Flussmittel (Kolophonium), das einen schützenden Überzug bildet. Das Flussmittel ist als dünne Seele im Lötzinn enthalten. Es legt sich beim Schmelzen des Lötzinns auf das flüssige Metall.[/li][/ul]
Typische Anfängerfehler und wie man sie vermeidet:

[ul][li]Der Anfänger berührt die Lötstelle nur mit einer Ecke der Lötspitze. Dabei wird nicht genügend Wärme übertragen. Der geübte Löter dagegen hat ein Gefühl für die optimale Wärmeübertragung. Er legt die Lötspitze so an, dass eine möglichst große Berührungsfläche entsteht. Außerdem bringt er sehr schnell etwas Lötzinn als Wärmeleiter zwischen Lötspitze und Bauteil.[/li]
[li]Der Anfänger schmilzt erst etwas Lötzinn und führt es mit einiger Verzögerung zur Lötstelle. Dabei verdampft das Flussmittel, das Lötzinn liegt frei und bildet eine Oxidschicht. Der Lötprofi dagegen berührt die Lötstelle immer gleichzeitig mit dem Lötkolben und dem Lötzinn. Das Flussmittel ist noch nicht vollständig verdampft, wenn die Lötstelle bereits perfekt umschmolzen ist.[/li]
[li]Der Anfänger ist sich unsicher, ob er zu viel Wärme zuführt. Er zieht den Lötkolben zu schnell weg, legt ihn dann noch einmal an, zieht wieder weg, usw. Das Ergebnis ist eine graue, ungleichmäßig geformte Lötstelle mit schlecht anliegenden Übergängen, weil die zu verbindenden Metallteile nicht richtig heiß wurden und weil der Vorgang zu lange dauerte, sodass das Kolophonium vorzeitig verdampfte (kalte Lötstelle). Der Meisterlöter dagegen heizt die Lötstelle schnell und kräftig auf und beendet den Vorgang abrupt und endgültig. Er wird mit einer glatten und silber glänzenden Lötzinn-Oberfläche belohnt, in der sich sein strahlendes Antlitz spiegelt.[/li][/ul]
__________________________________________________________________________________
Spur N
Ecos, Digikeijs RM + SD, ESU Switchpilot
LS-Digital Railspeed
Gleis: Roco/Fleischmann
ITrain 4.x.x Pro
Win 7 Pro, Java 8.X

www.modellbahn-fischer.at
__________________________________________________________________________________

Benutzeravatar
Heidi
Verschub
Verschub
Reactions:
Beiträge: 23
Registriert: Mittwoch 28. März 2018, 14:16
Steuerung: Analog
Meine Spur: N
Gleise: Peco Code55
Steuerungsformat: ANALOG
Czech Republic

Re: Der kleine Lötkurs Teil 1

#2

Beitrag von Heidi » Donnerstag 29. März 2018, 17:48

Hallo Josef,
Hallo Forumjaner,

Der kleine Lötkurs von Josef ist für Anfänger sehr hilfreich.
Viele Modellbahner kennen sich zu Begin oft nur wenig mit Elektrotechnik und der Arbeitsweisen in der Elektrotechnik aus.Von daher finde ich es suber, dass hier im Forum auch auf solche Themen eingegangen und Hilfe geboten wird.

Zm richtigen Löten gehören aber auch die Fragen, was und womit ich löten möchte.
Bevor man mit dem Löten beginnt muss man sich mit der Lötaufgabe beschäftigen. Dazu gehört:

- Welches Gerät benutze ich, bzw ist geeignet?
Für die verschiedensten Aufgaben beim Weichlöten gibt es die unterschiedlichsten Lötgeräte!
- Welche Lötspitze muss ich verwenden?
Will ich etwas auf einer Platine löten? Oder einfach nur Metallteile (z.B. ein Gartentor, aus Kupferdrähten), konventionelle Bauteile, Halbleiter-Bauteile oder SMD-Teile? für jede Anwendung gibt es unterschiedlichste Lötspitzen.
- Welche Tempratur muss ich wählen?
Für Halbleiterbauteile darf ich keine so hohen Temperaturen verwenden, wie zum Beispiel für einen konventionellen Widerstand. Andersherum mus ich beachten welches Lot ich werwende. z.B. RoHS-konforme Lote enthalten nur noch Spuren von Bleianteilen im Zinn. Sie müssen i.d.R. mit deutlich höheren Tempreaturen verarbeitet werden.

Unter Löttechnik findet ihr zu diesem Thema eine ergänzende Hilfestellung.

Viele Grüße
Heidi

Antworten

Zurück zu „Anfängerfragen“